Was sind Ängste?
Angst ist ganz natürlich
Angst ist eine natürliche Reaktion des Menschen auf gefährliche Situationen. Dabei übernimmt die Angst verschiedene Funktionen. Zum einen versetzt sie den Menschen in eine gewisse Alarmbereitschaft. Sie wirkt dann wie ein Filter, der die Wahrnehmung auf die Aspekte konzentriert, die für die Beurteilung der gefährlichen Situation wichtig sind. Zum anderen aktiviert sie alle Systeme im Körper, die für einen Kampf oder eine Flucht nötig sind.
Dies geschieht insbesondere durch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems: Erhöhter Herzschlag, eine vermehrte Schweißproduktion, schnellere Atmung und die vermehrte Ausschüttung von Adrenalin verleihen dem Körper vorübergehend eine erhöhte Leistungsbereitschaft.
So verspürt man beispielsweise instinktiv Angst, wenn ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf einen zufährt. Automatisch springt man zur Seite um nicht überfahren zu werden. Dies zeigt, dass Angst nicht nur eine natürliche Reaktion ist, sondern eine nützliche und manchmal sogar lebenswichtige.
Wann wird aus Angst eine Erkrankung?
Angst kann krank machen. Nach einer Untersuchung zum Gesundheitszustand der Bevölkerung in Deutschland1 leiden knapp 10% der Männer und 18% der Frauen an einer Form von Angststörung. Doch wo liegt die Grenze zwischen der natürlichen Angstreaktion und einer Angststörung?
Zwei wichtige Merkmale kennzeichnen eine Angststörung: Zum einen tritt Angst auf, obwohl objektiv keinerlei gefährliche Situation gegeben ist. Scheinbar ohne Grund und für andere manchmal
nicht nachvollziehbar leiden Menschen mit einer Angststörung an heftigen Symptomen wie bspw. Herzklopfen, Schwindelgefühlen, Schweißausbrüchen oder Hitzewallungen.
Betroffene haben mit der Zeit das Gefühl, ihre Ängste nicht mehr kontrollieren oder aushalten zu können und versuchen – so gut dies möglich scheint – Angst auslösende Situationen zu vermeiden. Dies führt sehr häufig zu dem zweiten Merkmal einer Angststörung: Betroffene ziehen sich zunehmend zurück, ihr sozialer Handlungsradius ist stark eingeschränkt.
Welche Formen der Angst gibt es?
In den vergangenen Jahrzehnten wurden die unterschiedlichsten Begriffe verwendet, um das Phänomen der Angsterkrankungen zu beschreiben. Man sprach von Angstneurosen, Angsthysterie, von frei flottierender Angst oder Herzneurosen. Ergänzend kamen Platzangst oder Klaustrophobie und viele weitere Formen der Phobien dazu. Erst Mitte der Achtziger Jahre begann man mit Hilfe diagnostischer Leitlinien die Erkrankungen zu klassifizieren. Die American Psychiatric Association tat dies innerhalb ihres Diagnosesystems (DSM), die World Health Organisation (WHO) erstellte Leitlinien für ihr eigenes Klassifikationssystem (ICD).
Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand können folgende Angststörungen unterschieden werden:
1 Wittchen, H.-U., Müller, N., Pfister, H., Winter, S., Schmidtkunz, B. (1999). Affektive, somatoforme und Angststörungen in Deutschland. Erste Ergebnisse des Zusatzsurveys "Psychische Störungen". Gesundheitswesen 61, Sonderheft 2, S216-S222.

